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Pflegenotstand & 10 Jahre Beratungsstelle Pflege in Not Brandenburg

Seit 2008 gibt es die Spezialberatungsstelle, seit 2010 unterstützen hier Claudia Gratz und Helga Zeike Gepflegte, pflegende Angehörige und professionelle Pflegekräfte, wenn es zu Überforderungen, Konflikten und anderen schwierigen Situationen in der Pflege älterer Menschen kommt.

Die Gesellschaft verändert sich durch den demografischen Wandel zunehmend. Dadurch ändert sich auch das Zusammenleben von vielen Familien. Mehr alte und hochbetagte Menschen, die im Lauf ihres Lebens zunehmend Unterstützung brauchen, leben mit weniger jüngeren Menschen zusammen, als das in früheren Jahrzehnten der Fall war. Vor allem im dünn besiedelten Flächenland Brandenburg, das viele junge Menschen für Arbeitsmarktchancen in anderen Gegenden verlassen haben, gestaltet sich die Organisation der Pflege und Hilfe für ältere Menschen schwierig

Es braucht eine gute Zusammenarbeit aller Beteiligten, denn die Pflege und Unterstützung für ältere Menschen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe!

Dabei sind es vor allem Frauen, die professionell pflegen und sie machen prozentual auch immer noch die Mehrheit der berufstätigen familiär Pflegenden aus. Allerdings verwischt sich diese Relation im Bereich der nicht mehr berufstätigen Paare, in dem der/die Eine für den/die Anderen sorgt, da hier Männer genauso wie Frauen die Pflegeaufgaben für ihre Partner*innen übernehmen.

Wenn die alltägliche Pflegeverantwortung große organisatorische Schwierigkeiten mit sich bringt, tritt schnell Überforderung ein. Wenn diese nicht bewältigt werden kann, brennen die Helfenden schneller aus und geben ihren inneren Druck unter Umständen nach außen weiter. Konflikte können sich zuspitzen, bis hin zu gewaltvollem Handeln: Spätestens dann werden diese Notlagen äußerlich sicht- und spürbar.

Die Beraterinnen von „Pflege in Not Brandenburg“ (PiN):

Die Beratungsstelle „Pflege in Not Brandenburg“ (PiN) arbeitet landesweit als Anlaufstelle bei Problemen durch Überforderung und Konflikten in der Pflege älterer Menschen. Alle Beteiligten (Gepflegte, Angehörige, professionelle Pflegekräfte, Nachbarn oder ehrenamtlich Begleitende) können die Hilfe der Beratungsstelle in Anspruch nehmen.

In einem ersten Telefonat können die Anrufenden ihre Sorgen und Nöte schildern. Sie können auch anonym über ihre Schwierigkeiten sprechen. In praktischen Fragen werden sie neutral beraten, ggf. an fähige Partner (Pflegestützpunkte, Demenzberatungsstellen etc.) weitergeleitet. Das Gespräch entlastet und bereitet Wege für tragfähige Lösungen vor.

Sind Konflikte innerhalb der Familie oder mit professionellen Pflegekräften und Einrichtungen der Auslöser für ein Problem, bietet „Pflege in Not Brandenburg“ (PiN) Begleitung bei der Klärung an. Einzel- und Gruppengespräche bis hin zu Familienkonferenzen helfen dabei, den Konflikt zu klären und eine gute Pflegesituation wieder herzustellen. Als Mediatorinnen bieten wir an, zwischen den Beteiligten zu vermitteln.

Ratsuchende erreichen die Beratungsstelle unter der kostenfreien Telefonnummer
0800 265 55 66
montags und freitags von 9:00 – 12:00 Uhr
mittwochs von 14:00 – 18:00 Uhr

In dieser Zeit ist am Telefon direkt eine Mitarbeiterin für die Ratsuchenden da. Zu allen anderen Zeiten ist ein Anrufbeantworter rund um die Uhr geschaltet, und ein Rückruf der Beraterinnen Claudia Gratz und Helga Zeike erfolgt so bald wie möglich.

Persönliche Gespräche finden auch in der Beratungsstelle statt. Ebenso ist ein kostenloser Hausbesuch oder Besuche in Pflegeeinrichtungen bei Bedarf im ganzen Land Brandenburg durch die beiden Beraterinnen möglich.

Über die Beratung hinaus bekommen Pflegeprofis, aber auch pflegende Angehörige, durch verschiedene Fortbildungsangebote Rüstzeug zum Umgang mit Überforderung, Aggressionen und Konflikten an die Hand. Sprechen Sie uns an!

„Pflege in Not Brandenburg“ (PiN) richtet sich an Menschen, die ältere Menschen pflegen, egal ob zu Hause in der Familie, oder bezahlt im Beruf. Die Beratungsstelle ist eine Anlaufstelle für Menschen, die merken, dass die alltägliche Pflegeverantwortung zu starker Belastung, oder sogar Überlastungen führt und die sich Hilfestellung bei der Lösung von Konflikten wünschen. „Pflege in Not Brandenburg“ will so auch Gewalt in der Pflegebeziehung entgegen wirken und helfen, die Pflegesituation für alle zu verbessern.

Um Aggressionen durch Überforderung gar nicht erst entstehen zu lassen, ist es wichtig, sich der eigenen Gefühle bewusst zu werden. Dann kann man aufkommenden Ärger oder Wut konstruktiv nutzen. Denn sie geben zunächst ein Signal, dass etwas nicht in Ordnung ist und so schnell wie möglich geändert werden muss. Wenn man dieses Signal ernst nimmt und überlegt, wo der Druck herkommt und was alles geändert werden kann, können viele Konflikte und auch Überlastungen vermieden oder zumindest erleichtert werden.

Ein wichtiger Faktor für eine gute Organisation von familiärer Pflege ist auch die Möglichkeit, Pflege und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Diese Problematik betrifft Frauen besonders, die beruflich wie privat immer noch den Großteil der Pflegeverantwortung übernehmen. Aber sie betrifft auch Männer, die als Angehörige ihre Eltern oder andere Verwandte betreuen wollen. Hier ist die Entlastung durch das Beratungsgespräch mit PiN hilfreich, um Schwierigkeiten zu erfassen und auch die Konflikte, die dadurch unter den Beteiligten entstehen, aufzuarbeiten. Oftmals bringt ein Familiengespräch viel mehr Ressourcen zum Vorschein, als die Pflegenden nutzen, z.B. Hilfe beim Einkaufen. Eine gemeinsame Planung und Verteilung von Zuständigkeiten kann eine entlastende Lösung für alle möglich machen.

Bild: 307. Von Deb Stgo. CC-BY 2.0, veröffentlicht auf flickr.com. Untertitel: Pflegebedürftigkeit ist eine Herausforderung, sowohl psychisch als auch physisch – für alle Beteiligten. Bildbeschreibung: Zwei liegende Unterarme und der Hals eines alten Menschen sind zu sehen, eingekuschelt in Nachthemd und Bettwäsche.

Dagegen können Überlastungen in der professionellen Pflege nur zum Teil durch Gespräche oder Konfliktklärung durch Mediation aufgefangen und verändert werden. Der Pflegenotstand zeigt sich auch in Brandenburg, Anrufende fragen vermehrt nach Pflegediensten oder Pflegeplätzen.

Für die Entwicklung von Maßnahmen, die dem Fachkräftemangel entgegenwirken und dadurch Überlastung der Pflegeprofis und der pflegenden Angehörigen verhindern, ist weiterhin gute Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeberorganisationen, kommunaler Verwaltung und politischer Steuerung gefragt. Nicht zuletzt liegt es auch in der Hand der Pflegekassen, über den Umgang mit Ressourcen die Pflege zu befördern: Sowohl bei der Zuweisung von Leistungen für Pflegebedürftige und ihre Familien, als auch in der Entlohnung professioneller Pflegedienstleistungen liegen Steuerungsmöglichkeiten für Qualität und Teilhabe aller Beteiligten.

Wir Beraterinnen von Pflege in Not Brandenburg  stellen unsere Erfahrungen aus dem Beratungsalltag allen Interessierten  zur Verfügung, wie zuletzt u.a. bei der Fishbowl-Diskussion „CaRevolution – Alte Werte neu gelebt?!“ am 09.03.2018 im Rechenzentrum Potsdam. Damit versuchen wir, das Thema „Alter, Krankheit, Pflege“ mehr in den gesellschaftlichen Fokus zu  bringen.

Autorin: Helga Zeike

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In der Blogreihe „Wir kümmern uns!“ schreiben Brandenburger*innen zu den Themen, die sie bewegen und formulieren dabei auch Handlungsbedarfe. Was sind aktuell wichtige Themen in Bezug auf Sorgearbeiten in Brandenburg? Wofür sollten wir uns gemeinsam einsetzen, worin uns gegenseitig unterstützen? Schreibt uns Eure Sicht der Dinge!

Kontakt: kontakt@frauenpolitischer-rat.de // care-revolution-potsdam@riseup.net

 

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