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Oft ist es ja mitten in der Nacht

Posted by on Nov 22, 2018 in Allgemein

Seit einigen Jahren helfe ich in unserem Frauenhaus regelmäßig, indem ich den Notruf nach Büroschluss übernehme. Ich habe so ca. alle 8 Wochen für 1 Woche den Telefondienst. Wenn das Büro im Frauenhaus nicht mehr besetzt ist kommen alle Anrufe auf dem Notruf-Handy an.

Das sind sehr unterschiedliche Kontakte, die sich dann ergeben. Meistens ist es natürlich eine Frau, die dringend Hilfe braucht. Dann hilft es schon manchmal, miteinander zu sprechen. Welche Beratungsangebote es im Frauenhaus gibt zum Beispiel, oder ob und wie sie im Frauenhaus aufgenommen werden könnte. Oft ist es auch die Polizei, die kurzfristig Unterkunft für eine Frau sucht. Manchmal ist es auch eine „Freundin“, die Fragen hat. Oder auch ein Mann, mit ganz anderen Beweggründen. Es gibt in manchen Wochen nur einen Anruf, auch mal drei oder vier.

Wenn eine Frau sofort aufgenommen werden möchte, weil sie sich in einer akut gefährlichen Situation befindet, besprechen wir, wie sie zu einem Treffpunkt kommen kann. Von dort gehen wir zusammen zum Frauenhaus. Wir klären dann nur die nötigsten Formalitäten, oft ist es ja mitten in der Nacht, und die Frau immer in einer schlechten Verfassung. Wie es dann für die Frau weiter gehen kann wird dann am nächsten Tag in der Beratung geklärt.

Ich mache diese ehrenamtliche Arbeit sehr gern. Mir selbst geht es gut, so daß ich die Zeit und die Kraft habe, an einer Stelle zu helfen, die mir persönlich wichtig ist. Als Mitglied des Ludwigsfelder Frauenstammtisch e.V., der Träger des Frauenhauses ist, war diese Tätigkeit dann für mich naheliegend. Natürlich ist es in dem Moment, wo ich mitten in der Nacht aufstehen und eine Frau im Frauenhaus aufnehmen muss, belastend. Andererseits mache ich es ja genau für diese Frauen, die eben sofort diese Hilfe brauchen. Und so traurig es ist, daß es Frauenhäuser überhaupt geben muss, so wichtig ist es eben auch, dass es sie gibt.

Da wir Notruf-Frauen nie die Namen der Frauen erfahren und auch eher selten die ganzen Geschichten hören, sind diese punktuellen Erlebnisse für mich nicht wirklich belastend. Es überwiegt immer das gute Gefühl, in einer Notsituation geholfen zu haben. Traurig bin ich am ehesten, wenn ich höre, daß eine Frau, die ich abends oder nachts aufgenommen habe, nach kurzer Zeit wieder gegangen ist und ich mir vorstelle, dass es ihr jetzt vielleicht wieder schlecht geht …

Solange es Gewalt gegen Frauen gibt muss es wohl auch Frauenhäuser geben. Wünschenswert finde ich, daß die für die Arbeit mit den hilfebedürftigen Frauen sehr gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen des Frauenhauses ihre kostbare Zeit nicht aufwenden müssten, um öffentliche Mittel einzuwerben. Sie brauchen die Zeit, um tatsächlich den Frauen zu helfen.

Text: Susann Motsch


Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen, die Gewalt erlebt haben oder noch erleben. Unter der Nummer 08000 116 016 und via Online-Beratung unterstützen wir Betroffene aller Nationalitäten, mit und ohne Behinderung – 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr. Auch Angehörige, Freundinnen und Freunde sowie Fachkräfte beraten wir anonym und kostenfrei. www.hilfetelefon.de