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Nachlese Clubabend „Selber schuld Frauen!?“

„Selber schuld Frauen?! Wie viel Schuld trifft die Theologie?“ so lautete das Thema am 13. März beim Clubabend in Potsdam. Erstmals fand der Clubabend in Zusammenarbeit mit den „Frauen in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg–Schlesische-Oberlausitz“ statt.

v.l.n.r.: Diana Freyer (Geschäftsführerin des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Berlin), Susanne Kal-Passoth (Vorsitzende der Evangelischen Frauen in Deutschland, stellv. Vorsitzende des Deutschen Frauenrats), Maren Gienapp (Vorstand KDFB Berlin) und Magdalena Möbius (Frauen in der EKBO)

„Selber schuld Frauen?!“ – so lautet auch das Motto der diesjährigen Brandenburgischen Frauenwoche, die individuelle Schuldzuweisungen an Frauen infrage stellen will. Wo sich Schuldzuweisungen an Frauen in der christlichen Tradition finden lassen, erläuterten beim Clubabend zwei Theologinnen: Susanne Kahl-Passoth, (Vorsitzende der Evangelischen Frauen in Deutschland, stellv. Vorsitzende des Deutschen Frauenrats) aus evangelischer Perspektive und Diana Freyer (Geschäftsführerin des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Berlin) aus katholischer Sicht.

Schon in der Schöpfungsgeschichte, so Susanne Kahl-Passoth, ist das Denken von der sündigen und schuldigen Frau begründet. Mit der Sicht auf Eva, die in der Bibelgeschichte aus der Rippe Adams erschaffen wurde, sei eine untergeordnete Rolle der Frau angenommen worden. Dem zugrunde liege jedoch ein Verständnis von Eva als Frau und Adam als Mann. Adam sei aber kein Eigenname eines Mannes, erläuterte Susanne Kahl-Passoth, sondern ein aus Mutter Erde – „adamah“ – geschaffener Mensch. Diese Interpretation sei aber nicht zur Kenntnis genommen worden, da sie nicht zu den Rollenbildern passt. Vielmehr sei die in der biblischen Sündenfallgeschichte benannte Schuld einseitig den Frauen zugeschrieben worden, die daraufhin auch um so empfänglicher gewesen seien für die Aufforderung, sich in Kirche und Gesellschaft „aufzuopfern“.

Diana Freyer nahm in ihrem Impuls die kirchenpolitischen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte auf. Nach dem zweiten Vatikanischen Konzil und der Würzburger Synode in den 1970er Jahren war die Hoffnung groß, dass auch Frauen in der katholischen Kirche Weiheämter innehaben dürfen – eine Hoffnung, die sich bis heute nicht erfüllt hat. Die Gründe dafür werden ebenfalls in der Bibel gesucht. Umso wichtiger sei es, so Diana Freyer, biblische Texte historisch-kritisch zu lesen und kontextabhängig aus ihrer jeweiligen Zeit heraus zu betrachten. Dazu leistet die feministische Theologie wichtige Beiträge.

Der Clubabend bot zahlreiche Anknüpfungspunkte zur Diskussion, etwa was Frauen in der katholischen Kirche, z.B. in Frauenverbänden, konkret tun können, um Veränderung zu bewirken – und wie hier mit der evangelischen Kirche in Austausch getreten werden kann.

Text und Foto: KDFB Berlin (zuerst hier erschienen)