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Brandenburger Landfrauenverband: Gemeinsam mehr Schlagkraft entwickeln

Gemüse-Sticks und Kräuterquark warten auf uns, als wir im Schloss Ribbeck im Havelland von den Brandenburger Landfrauen empfangen werden. Diese wissen, was schmeckt und zudem noch gesund ist. Doch „nur mit Kuchenbacken“, so Geschäftsführerin Anja Faber, „wollen die Landfrauen nicht in Verbindung gebracht werden.“

Recht hat sie, denn nach der leckeren Kleinigkeit erzählt Anja Faber von regionalen Equal-Pay-Beraterinnen, Landfrauen-Wahlprüfsteinen und vielen anderen politischen Themen, die der siebenköpfige ehrenamtliche Vorstand regelmäßig bearbeitet. So kämpften sie – allen voran die Landesvorsitzende Jutta Quoos – viele Jahre für eine wissenschaftliche Organisations- begleitung, der sich die Brandenburger Landfrauen gemeinsam mit denen aus Mecklenburg-Vorpommern jetzt zwei Jahre lang unterziehen, um ihre Verbände erfolgreich in die Zukunft zu führen.

Vereine müssen die eigenen Inhalte auf den Prüfstand stellen und gemeinsam mit dem FPR mehr politische Schlagkraft entwickeln

„Alle Vereine“, so Anja Faber, „müssen sich die Frage stellen, ob es noch zeitgemäß ist, was sie wollen, wie sie handeln und wie sie dies nach innen und außen kommunizieren.“ Der Brandenburger Landfrauenverband gründete sich 1992 und gehört auch zu den Gründungsmitgliedern des Frauenpolitischen Rates. Und es ist ihm wichtig, so Anja Faber, „gemeinsam mit dem Frauenpolitischen Rat als Dachverband mehr politische Schlagkraft zu entwickeln und landesweite Kampagnen auf den Weg zu bringen.“

Anja Faber, die die Geschäfte des Brandenburger Landfrauenverbandes seit sieben Jahren hauptamtlich führt, berichtet dies von ihrem eigenen Dachverband, dem Deutschen LandFrauenverband. Und verweist darauf, dass dieser Wahlprüfsteine entwickelte, an denen auch die Brandenburgerinnen mitschrieben und die die Landfrauen an 100 Vertreter*innen von Parteien und Organisationen auf Bundes- und Landesebene verschickten.

Anja Faber und Johanna Pätzig

Die Brandenburger Landfrauen unterzeichneten auch die „Berliner Erklärung“ und wünschen sich, dass auch vom Frauenpolitischen Rat solche Initiativen ausgehen und alle Mitgliedsorganisationen gemeinsam und  konzertiert auf Landesebene handeln. Denn die Forderungen beispielsweise zum Thema „Frauenarbeit“ – das Probleme wie Teilzeitjobs, Altersarmut, Gläserne Decke und eben Equal Pay beinhaltet – müssen von allen Seiten kommen, sagt die 42-Jährige. Ebenfalls legen die Landfrauen großen Wert darauf, dass die Probleme der Menschen auf dem Land, wie z. B. die unzureichende, aber notwendige Daseinsfürsorge diskutiert und Lösungen eingefordert werden.

Alle Mitgliedsorganisationen des FPR müssen konzertiert auf Landesebene handeln

Der Brandenburger Landfrauenverband hat zehn Kreisverbände, 52 Ortsgruppen und fast 1.100 Mitglieder. Johanna Pätzig ist Mitglied im Landfrauenverein Havelland, der seine Geschäftsstelle im berühmten Schloss Ribbeck hat. Seit den 1990er Jahren ist es für die promovierte Agrarwissenschaftlerin wichtig, „Kindern zu zeigen, wie Landwirtschaft funktioniert.“

So geht die inzwischen 69-Jährige beispielsweise in  Schulen des Landkreises und bietet dort Seminare für Dritt- und Viertklässler zum so genannten Ernährungsführerschein an oder bringt  Fünft- und Sechstklässlern mit dem Programm „SchmExperten“ gesunde Ernährung nahe. „Man muss es den Kindern beibringen, weil es zu Hause kaum noch gelehrt wird“, sagt Johanna Pätzig, und sie unterstützt so ehrenamtlich die hauswirtschaftliche Ausbildung in Schulen, die vom Deutschen Landfrauenverband schon lange gefordert wird.

Schloss Ribbeck im Havelland

Kindern zeigen, wie Landwirtschaft und gesunde Ernährung funktionieren

Johanna Pätzig berichtet, wie diese Programme vom Bundesverband initiiert und begleitet wurden. Dazu gehörte die Erarbeitung von praxistauglichem Lehrmaterial und die Schulung der beteiligten Landfrauen, die dann mit den Lehrer*innen vor Ort eng zusammenarbeiteten und den Grundschülern gesunde Ernährung schmackhaft machten – nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch. Zum Abschluss jeder Unterrichtseinheit wird das gemeinsam bereitete Essen dann auch zusammen aufgegessen.

„Das Projekt gibt es noch“, so Johanna Pätzig, „aber es wird leider nicht mehr finanziert.“  Jetzt können die Schulen die Seminare zwar weiterhin buchen, müssen aber für die Finanzierung der Seminarleiterinnen selbst sorgen. In Paulinenaue, wo ihre eigenen Kinder zur Schule gingen, macht Johanna Pätzig selbstverständlich Sonderkonditionen.

Text: Astrid Priebs-Tröger
Fotos: Anne Heinlein

 

Der Brandenburger Landfrauenverband e.V. (BLV) wurde 1992 gegründet und ist Gründungsmitglied des Frauenpolitischen Rates.

Unter dem Motto „Nur gemeinsam sind wir stark – nur gemeinsam haben wir Erfolg“ schlossen sich damals Frauen zusammen, um den Landfrauenverband als Mittel zum Austausch, zur Vernetzung und zur Projektarbeit zu nutzen. Seit dieser Zeit wurde ein unentbehrlicher Beitrag zur Verbesserung der Situationen für Frauen auf dem Land geleistet. Gegenwärtig gibt es zehn Kreisverbände und 52 Ortsgruppen mit rund 1.100 Mitgliedern.

Jede brandenburgische Landfrau ist Teil eines Netzwerkes von rund 500.000 Frauen, das den Deutschen LandFrauenverband (dlv) bildet. Es ist das größte nicht konfessionell gebundene Frauennetzwerk in Deutschland. Bundesweit vereint der dlv die Interessen von Frauen aller Berufsgruppen und aller Generationen und versteht sich als Interessenvertretung für Frauen und Familien im ländlichen Raum.