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Auftakt zur Aktionswoche gegen Gewalt an Frauen

Posted by on Nov 20, 2017 in Allgemein

Aus Anlass des internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen haben heute sowohl städtische Akteure vor dem Rathhaus Potsdam als auch Landesvertreter_innen vor dem Landtag ihre Fahnen gehisst.

Im Jahr 1999 erklärten die Vereinten Nationen den 25. November zum „Internationalen Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen“. Seither wird an diesem Tag alljährlich durch weltweite Aktionen auf die gegen Frauen ausgeübte Gewalt aufmerksam gemacht. Am 25. November 2001 ließ die Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ zum ersten Mal ihre Fahnen wehen. Begleitet wird der Aktionstag von zahlreichen Veranstaltungen. Bereits im dritten Jahr in Folge wurde heute die Fahne am Landtag Brandenburg gehisst und erstmalig in diesem Jahr im Innenhof des Landtagsgebäudes.

Vor dem Potsdamer Rathhaus sprach die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Potsdam Martina Trauth-Koschnick über das diesjährige Thema „Genitalverstümmlung“ und wies auf die nun beginnende Aktionswoche hin, in der Brottüten auf die anonyme Spurensicherung nach einer Vergewaltigung hinweisen sollen. Befüllte Tüten hatte Frau Trauth-Koschnick auch schon mitgebracht und an Passant_innen verteilt.

Am Landtag sprachen Parlamentspräsidentin Britta Stark, Frauenministerin Diana Golze, die frauenpolitischen Sprecherinnen der Landtagsfraktionen sowie eine Sprecherin des Frauenpolitischen Rates Land Brandenburg, um in wachsender Tradition gemeinsam ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen. Im Innenhof des Landtages hissten sie die Flagge der internationalen Frauenorganisation „Terre des Femmes“ mit der Aufschrift „NEIN zu Gewalt an Frauen – frei leben ohne Gewalt“. Viele Kommunen und Fraueninitiativen in Brandenburg, in Deutschland und weltweit nehmen an der Flaggenaktion teil. Aus Anlass des Aktionstages finden zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen statt.

In ihrer Ansprache forderte Landtagspräsidentin Stark zum Handeln auf: „Setzen wir uns gemeinsam dafür ein, dass alle Frauen und Mädchen vor Gewalt geschützt werden können. Geben wir den betroffenen Frauen eine Stimme, denn wo Gewalt an Frauen ignoriert wird, passiert sie auch weiter.“

Ministerin Diana Golze betonte: „Dieses öffentliche und sehr deutliche Symbol im gesamten Land soll allen betroffenen Frauen Mut machen, sich gegen Gewalt zu wehren und sich aus ihrer schwierigen Situation zu befreien.“

Als Sprecherin des Frauenpolitisches Rates unterstrich Heiderose Gerber die Wichtigkeit der Öffentlichkeitsarbeit und den Ausbau von Hilfsstrukturen. Der FPR führt in diesem Jahr eine vom MASGF des Landes Brandenburg und der Bäcker-Innung Berlin-Brandenburg geförderte Brottütenaktion durch: Mehr als 250 Bäckereien im ganzen Land verkaufen ab heute ihre Produkte in Brottüten, die niedrigschwellig über Beratungsangebote informieren und möglichst viele Haushalte im gesamten Land Brandenburg erreichen sollen.

 

Im Jahr 2016 gab es laut der Polizeilichen Kriminalstatistik in Brandenburg insgesamt 2.123 Straftaten gegen Frauen im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt, im Jahr 2015 waren es 2.028 Straftaten. Häusliche Gewalt nimmt seit zehn Jahren tendenziell zu. Die offizielle Statistik spiegelt das Ausmaß von Gewalt gegen Frauen allerdings nicht wider. Es ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Das Land Brandenburg hat ein landesweites Netz von Frauenhäusern, Frauenberatungsstellen und Zufluchtswohnungen. Schutzeinrichtungen bieten derzeit bei akuter Bedrohung Zuflucht. 516 Frauen und 598 Kinder fanden im vergangenen Jahr (2016) dort Schutz. Zusätzlich ließen sich dort fast 3278 Frauen beraten – mehr als je zuvor.

 

Text und Fotos: Claudia Sprengel, Projektmitarbeiterin des Frauenpolitischen Rates